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Verleihung des 1. Heidelberger Pflegepreises

Am Ende eines kurzweiligen und interessanten Tages brandete im Hörsaal der Medizinischen Klinik lauter Beifall auf. Er galt den zwölf Pflegeteams des Universitätsklinikums Heidelberg, die sich mit ihren Projekten am 1. Heidelberger Pflegepreis beteiligt hatten. Aufgerufen zu dem Wettbewerb hatte Pflegedirektor Edgar Reisch, der sich nicht nur von der regen Beteiligung begeistert zeigte: „Die hohe fachliche Qualität der eingesandten Arbeiten zeugt von einer hohen Leistungsdichte und einer großen fachlichen Expertise unserer Pflegenden“, so der Pflegedirektor stolz.

Eingereicht werden sollten praxisrelevante Projekte, die nachweislich die Patientenversorgung verbessert haben. Beteiligt hatten sich zwölf Pflegeteams von verschiedenen Stationen und Ambulanzen des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Jury – hochkarätig besetzt mit Edgar Reisch, Prof. Annette Grüters-Kieslich (Leitende Ärztliche Direktorin) und Irmtraut Gürkan (Kaufmännische Direktorin) – tat sich mehr als schwer, die drei Siegerprojekte auszuwählen. Am Ende wurde der dritte Platz zweimal vergeben und auch alle anderen Teams gingen nicht leer aus, so dass sich alle Teilnehmer als Sieger fühlen durften.

Der erste Preis und 1.500 Euro gingen an das Team der Kardiologischen Intensivstation in der Medizinische Klinik. Lena Weber und ihre Mitstreiter entwickelten eine interprofessionelle Richtlinie für die Versorgung kritisch kranker Patienten im Notfall-Behandlungsraum auf der Kardio-Intensiv. Ärztliche und pflegerische Schnittpunkte und Handlungsabläufe, wie z. B. Tätigkeitsbeschreibungen oder Zuständigkeiten, sind nun genau definiert – eine unabdingbare Voraussetzung für die effiziente und effektive Versorgung der internistischen Notfall-Patienten.

Über den zweiten Preis und 1.000 Euro freuten sich Martina Konrad und Angelika Brobeil gemeinsam mit ihren Teams der Kardiochirurgischen und Interdisziplinären Intensivstation in der Chirurgischen Klinik. Die ausgezeichnete Arbeit hat hohe praktische Relevanz: Brobeil und Co. widmeten sich in einer Beobachtungsstudie im eigenen Arbeitsumfeld der Mundpflege ihrer beatmeten Patienten. Dazu verwendeten sie ein standardisiertes Mundpflegeprodukt, mit dem sich die Mundpflege der Patienten schnell, sicher und hygienekonform durchführen ließ. Ergebnis: Die Mundhygiene bei Intensivpatienten lässt sich fortan optimal und konsequent durchführen – und das bei hoher Motivation und Zufriedenheit der Kolleginnen und Kollegen. Die Patienten danken es mit einer physiologischen Mundflora und regelrechten Schleimhautsituation.

Der dritte Platz (jeweils 500 Euro) wurde zweimal vergeben. Jenny Knapp und das Team der Herzchirurgischen Allgemeinstation hatten eine einfache, aber geniale Idee, mit der sich Zeit und Nerven sparen lässt: Bevor die Patienten von Station aus in den OP-Saal und von dort auf die Intensivstation gebracht werden, landen alle wichtigen persönlichen Gegenstände (z. B. Brille, Zahnprothese etc.) in einer gelben Kiste. Diese begleitet die Patienten auf ihrem Weg durch die Klinik und erspart dem Personal fortan die aufwändige Suche nach Brille, Kulturbeutel und Co. Somit verringerte sich im Projektzeitraum die Zahl der Anrufe auf der Herzchirurgischen Allgemeinstation („Könnt ihr mal bitte die Zahnprothese von Herrn Müller auf Intensivstation bringen?“) um 90 Prozent.

Ebenfalls über Platz 3 freuten sich Erika Stubbe-Schmitt, Leiterin der Ambulanz in der Frauenklinik, und Katharina Günther, Pelvic Care Nurse in der Frauenklinik. Beide implementierten das noch junge Berufsbild der Pelvic Care Nurse – diese kümmert sich um Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen im Bereich des Beckens – in die Arbeitsabläufe der Frauenklinik-Ambulanz. Außerdem überraschte das Ambulanz-Team ihre Patientinnen mit selbst hergestellten Beckenkissen. Funktionell ähneln diese den bereits bekannten Herzkissen für Brustkrebspatientinnen. Die Kissen lindern Narbenschmerzen und erleichtern ein Abfließen der Lymphflüssigkeit.

Dafür, dass sich am Ende alle Teams als Sieger fühlen durften, sorgten zwei Aspekte. Zum einen war die Leistungsdichte der eingesandten Projekte so hoch, dass die Jury auch alle anderen Arbeiten hätte auszeichnen können. „Letztlich mussten wir aber eine Entscheidung treffen“, so Edgar Reisch fast entschuldigend. Und zum anderen sagte Prof. Annette Grüters-Kieslich auch allen Teams, die zuvor leer ausgegangen waren, einen „Trostpreis“ von 250 Euro pro Team zu.