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Chirurgen-Ausbildung mit der Spielkonsole

Eine BWL-Studentin mit Datenbrille an einem Tisch mit 3D-Druckern; daneben ein Chirurg an einem Endoskop umringt von Notebooks, Kabeln und dem hektischen Treiben eines Entwicklerteams. Eines von vielen ungewöhnlichen Bildern, das sich den Gästen des „Life Science meets IT Hackathon“ am vergangenen Wochenende bot. Das gemeinsame Ziel: Innerhalb von 54 Stunden technische Lösungen für medizinische Fragestellungen zu entwickeln.

„Die heutigen Herausforderungen benötigen neue Formen der Zusammenarbeit und neue Maßnahmen, um Ideen voranzubringen“, erklärte Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. „Das Land setzt sich für die Möglichkeiten der Digitalisierung ein. Dieser Hackathon bot hierzu den perfekten Rahmen.“ Die Ministerin hatte es sich nicht nehmen lassen, die Abschlussfeier mit allen Teilnehmern sowie Gästen aus Politik und Wirtschaft zu eröffnen.

Bei einem Hackathon – einem Kunstwort aus Hacking und Marathon – geht es darum, innerhalb kürzester Zeit Prototypen zu entwickeln. Es wird viel programmiert und wenig geschlafen. Insgesamt 13 Teams stellten sich den gesundheitsbezogenen Herausforderungen. Das Team der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg um den von der Heidelberger Stiftung Chirurgie geförderten Dr. Felix Nickel entwickelte ein Lernsystem für angehende Chirurgen mit Teilen einer Spielkonsole. Die Bewegungen des Operateurs werden digitalisiert und mit Bildmaterial echter Operationen verknüpft. So könnten bereits in naher Zukunft realistische Übungsbedingungen für endoskopische Eingriffe geschaffen werden. Schon bei der Vorstellung ihrer Entwicklung war die Begeisterung im Fachpublikum spürbar - und so wunderte es am Ende nicht weiter, dass Dr. Nickel mit einem der begehrten Preise des Hackathons nach Hause gehen konnte.

Den geeigneten Rahmen für das kreative Wochenende boten die Marsilius-Arkaden in direkter Nachbarschaft der Chirurgischen Klinik. „Heidelberg ist ein idealer Standort, um Lebenswissenschaften und Informationstechnologie miteinander zu verknüpfen“, erläutert Thomas Prexl, Leiter des  Gründerbüros  im Technologiepark. „Hier sind nicht nur exzellente Forschungseinrichtungen ansässig, sondern in unmittelbarer Umgebung auch wichtige Softwareunternehmen wie die SAP, die sich mit dem Thema Gesundheit intensiv befassen. Ein guter Mix für Innovation.“ 80 Teilnehmer, sogar aus dem europäischen Ausland und den USA, waren angereist, um sich intensiv mit gesundheitsrelevanten Fragen auseinanderzusetzen: Wie lässt sich die Kommunikation zwischen Arzt und Patient durch IT verbessern? Mit welchen technischen Mitteln kann man den Aufenthalt und die Behandlung im Krankenhaus für Patienten angenehmer und gleichzeitig effizienter gestalten?

Fragen, auf die die Heidelberger Chirurgen gute Antworten kennen. Mit der richtigen Unterstützung können so herausragende Lösungen für eine gesunde Gesellschaft geschaffen werden.